Session „You get to pick your family*”
Für die LGBTQIA+ Community hat Familie oftmals eine erweiterte Bedeutung: Vielen queeren Menschen, insbesondere trans*Personen fehlen die Unterstützung und der emotionale Rückhalt aus dem Elternhaus. Wir wollen, über den heteronormativen Kontext hinaus, Möglichkeiten aufzeigen Familie selbst zu gestalten, Community zu erleben und Fürsorge füreinander zu übernehmen. Leah Petersen und Sascha Sistenich, beide Postdocs der Uni Bonn, stellen ihre Forschungsarbeiten zum Thema vor. In einer anschließenden Podiumsdiskussion werden ihre Perspektiven ergänzt durch Birgit Brockerhoff (Fachstelle Regenbogenfamilien NRW) und Lenny Streit (Projekt Trans*sensibel) vom Queeren Netzwerk NRW e.V.
Anmeldung und Zeitraum
Datum
Montag, 26. Mai 2025
16:15 Uhr - 18:00 Uhr
Veranstaltungsort
DigiHub
Am Hauptbahnhof 6
53111 Bonn
Veranstaltungsraum: San Francisco
Bitte melden Sie sich bis zum 11. Mai an.
Ablauf
- Vortrag „Diskriminierung im Elternhaus – Die Dynamik zwischen der Geschlechtsidentität junger trans*Personen und ihrem Wohnumfeld im Elternhaus“
Leah Petersen (Universität Bonn) - Vortrag „Wahlfamilien und Communities of Care: Queere Perspektiven auf „Familie“ in einer vielfältigen Gesellschaft“
Sascha Sistenich (Universität Bonn) - Podiumsdiskussion mit
- Birgit Brockerhoff (Queeres Netzwerk NRW, Fachstelle Regenbogenfamilien NRW)
- Leah Petersen (Universität Bonn)
- Sascha Sistenich (Universität Bonn)
- Lenny Streit (Queeres Netzwerk NRW; Projekt Trans*sensibel)
Das Podium wird moderiert von Mia Wietkamp von Bonn FM.
Die Veranstaltung untersucht die Neugestaltung familiärer Strukturen durch queere Menschen, insbesondere im Kontext der Herausforderungen multipler Krisen und erstarkender anti-demokratischer Politiken. Aufgrund von Diskriminierungsstrukturen in der traditionellen Kernfamilie sowie neoliberaler Unsicherheiten leben queere Personen oft außerhalb traditioneller Familienmodelle und gründen Wahlfamilien sowie Communities of Care. Diese care-zentrierten Netzwerke ergänzen traditionelle Verwandtschaftsstrukturen und integrieren freundschaftliche und nachbarschaftliche Beziehungen. Es werden zum einen die Gründe, warum es einen Perspektivwechsel auf „Familie“ geben muss, beleuchtet und zum anderen diskutiert, wie solche Strukturen Räume für nicht-normative Gemeinschaften schaffen und auf bestehende staatliche, rechtliche und ökonomische Herausforderungen reagieren. Zudem wird die Bedeutung von Care als gesellschaftliche Praxis hervorgehoben, die individuelle und kollektive Resilienz fördert und neue, zukunftsfähige Wege für ein Zusammenleben in einer vielfältigen Gesellschaft eröffnet.
Vortragende

Leah Petersen
(- / dey)
Leah Petersen ist Doktorand*in am Geographischen Institut der Universität Bonn. Leah beschäftigt sich mit den Diskriminierungserfahrungen von trans* Personen im Elternhaus und wie sich diese Erlebnisse in die Körper von trans* Menschen einschreiben. Auf diese Weise werden die Erfahrungen immer wieder reproduziert und können sich tief in den Biographien von Personen verankern. Gleichzeitig wird deutlich, dass es sich dabei nicht um individuelle Diskriminierungserfahrungen handelt, sondern diese Erlebnisse tief verwurzelt in gesellschaftlichen Machthierarchien sind.
„Um die Erfahrungen von trans* Personen in unserer Gesellschaft in ihrer Komplexität verstehen zu können, ist es essentiell wichtig, die Erlebnisse im Elternhaus zu berücksichtigen. Es muss anerkannt werden, wie tiefgreifend diese vermeintlich individuellen Erfahrungen mit gesellschaftlichen Strukturen verbunden sind und dass das Elternhaus ein hochpolitischer Raum ist.“
Sascha Sistenich
(er/ihm)
Sascha Sistenich studierte Transkulturelle Studien/Kulturanthropologie und Mehrsprachige Kommunikation an der TH Köln, Universidad de Granada (2014-2018) und der Universität Bonn (2018-2021). Er arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Abteilung Empirische Kulturwissenschaft und Kulturanthropologie sowie an der Abteilung für Altamerikanistik und Ethnologie der Universität Bonn. Seit 2022 promoviert er zu queerem Aktivismus und queeren Utopien und Zukunftsentwürfen eines solidarisch-fürsorglichen Zusammenlebens. Sascha ist Vertrauensperson des Instituts XI der Philosophischen Fakultät und wurde 2023 mit dem Maria von Linden-Preis der Universität Bonn für sein Engagement in der Gleichstellung in Forschung und Lehre ausgezeichnet.
„Queere Communities können uns als Beispiele dienen, familiale, verwandtschaftliche, freund:innenschaftliche, romantische und sexuelle Beziehungen neu zu denken und solche Beziehungsformen als politische Praxis alternativer, gerechterer Zukunftsentwürfe produktiv zu machen.“


Birgit Brockerhoff
(sie/ihr)
Birgit Brockerhoff leitet die Fachstelle Regenbogenfamilien NRW. Diese arbeitet unter dem Dach von Queeres Netzwerk NRW mit Sitz in Köln. Die Fachstelle vertritt die Interessen von queeren Familien auf Landesebene und stellt Angebote zur Vernetzung, Sichtbarmachung und zum Empowerment für Regenbogenfamilien in NRW bereit. Zudem bringt die Fachstelle Fachwissen in Familienverbände und familiennahe Institutionen.
Birgit Brockerhoff ist Diplom-Pädagogin und verfügt über langjährige Erfahrungen in Bildungs-, Netzwerk- und Gremienarbeit insbesondere in den Bereichen queere Familienbildung und Medienkompetenzvermittlung.
„Familie ist vielfältig. Familie beinhaltet alle Lebensformen, in denen Menschen soziale Verantwortung, Fürsorge und Solidarität leben und erfahren.“
Lenny Streit
(er/ihm)
Lenny Streit ist Teil der Projektkoordination von Trans*sensibel – Bezugspersonen junger trans* und nichtbinärer Menschen unterstützen. Dieses Projekt arbeitet unter dem Dach des Queeren Netzwerks NRW e.V. Trans*sensibel unterstützt und vernetzt Bezugspersonen junger trans* und nichtbinärer Menschen wie Eltern, Geschwister oder Großeltern, und bietet Qualifizierungsangebote für Fachkräfte (teil)stationärer Kinder- und Jugendhilfe in NRW an.
Lenny Streit B.A. Soziale Arbeit und M.A. Empowerment Studies verfügt über langjährige Erfahrungen in der Bildungs- und Antidiskriminierungsarbeit in den Bereichen sexuelle und geschlechtliche Vielfalt sowie zur Geschichte des Nationalsozialismus.
"Junge trans* und nichtbinäre Menschen brauchen Räume, in denen sie sein können wer sie sind – dazu zählt auch die Familie - Anerkennung und Sicherheit in der Identitätsfindung fangen zu Hause an."

Kontakt und Organisation
Ruth Ellen Bischoff
Dechenstraße 3-11
53115 Bonn
Julia Lindenberg
Dechenstraße 3-11
53115 Bonn